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PostHeaderIcon April 2012

TETEROW APRIL 2012

Im April war Dr. Martin von der Heyden als Referent zum Thema „Deeskalation im Rettungsdienst“ an das DRL-Bildunsgzentrum MV nach Teterow eingeladen worden. Dort referierte uber 4 Stunden vor 28 Rettungsdienstmitarbeitern zum Thema Desskalation im Rettungsdienst. Das angebotene Programm war ein „best of“ des etablierten 16 stündigen Deeskalationskurses. Am Ende folgte ein Praxisteil in dem die Stellung zum Patienten unter Berücksichtigung der Eigensicherung sowie das Konzept der professionellen Situationsbeherrschung von den Teilnehmern probiert werden konnten.

Aktualisiert (Dienstag, den 24. April 2012 um 16:49 Uhr)

 

PostHeaderIcon Fall 1

Originaleintrag in der VIRSEM-Datenbank:

Abholung eines Patienten aus Polizeigewahrsam zum Transport in die Psychiatrie, Patient ist friedfertig, während des Transportes Angriff des auf dem Betreuerstuhl sitzenden Patienten auf den hinten allein mitfahrenden Rettungsassistenten mit einem Autoschlüssel, Versuch diesen ins Auge zu schlagen. Angriff auch auf den Notarzt, als dieser versucht verbal zu deeskalieren. Patient wurde vor Eintreffen der Polizei überwältigt und entwaffnet.

Analyse:

Eine Situation die objektiv betrachtet zwei konflikträchtige Szenarien beinhaltet: zum einen die Abholung eines Patienten von der Polizeiwache, denn in der Regel ist ein Patient dort nicht ohne Grund in Gewahrsam gelandet, zum anderen eine Zwangseinweisung, die immer einen Wendepunkt im Leben des Patienten darstellt.

Konflikte scheinen hier in diesem Setting vorprogrammiert. Auffallend ist, dass der Patient noch einen als Waffe nutzbaren Gegenstand „am Mann“ hatte obwohl er aus dem Polizeigewahrsam übernommen wurde. Hier sehen wir: auch Polizeivollzugsbeamte sind nur Menschen und unterliegen den gleichen „Human Factors“ wie wir.

Ein erstes Problem ist hier, dass der Patient nicht vor Übernahme durch den Rettungsdienst durchsucht wurde, so konnte er den später als Waffe eingesetzten Schlüssel mit in den RTW nehmen.

Problematisch ist hier auch, dass der Patient alleine mit einem Rettungsassistenten im RTW hinten gesessen hat. Dass verbale Deeskalationsversuche durch den Notarzt in dieser Situation scheiterten ist nicht weiter verwunderlich, wenn man das oben bereits Erwähnte kritisch und konsequent durchdenkt. Das Entwaffnen und überwältigen des Patienten vor Eintreffen der Polizei ist löblich sollte aber nicht unser erstes Ziel sein.

Optimierungsvorschläge:

Bei Ankunft an der Polizeiwache: klare Absprachen im Team treffen, hier gilt es, mentale Modelle zu bilden und die mögliche Konfliktträchtigkeit der Situation klar herauszustellen, Aufgaben sind im Team klar zu verteilen. Absprachen mit der Polizei treffen, Informationsgewinn (Warum ist er in Gewahrsam? Gewalttäter? Warum Psychiatrie? Ist der Patient durchsucht worden?). Ist eine Transportbegleitung durch die Polizei möglich, wenn nein warum nicht? Erstes Ziel sollte es sein, wenn auch nur der geringste Hinweis auf Gewaltanwendung droht, den Transport durch die Polizei eskortieren zu lassen. Nicht vergessen: „Wir sind Profis in der Medizin!“ Wird der Patient trotzdem ohne Polizei transportiert, ist er vor Antritt der Fahr noch einmal durch die Polizei zu durchsuchen.

Im Umgang mit einem gewaltbereiten Patienten stets Sicherheitsabstand (mindestens zwei Armlängen) halten, im Team Stellung zum Patienten absprechen. Auf Provokationen des Patienten in keiner Weise eingehen. Sachinhalte aufgreifen, auch verbal keinen Angriffsraum bieten.

Im RTW potentiell als Waffe dienende Gegenstände (z. B. Kleiderschere) wegsperren.

Der Patient wird grundsätzlich liegend und angeschnallt transportiert. Erstens dient das dem Eigenschutz des Patienten für den Fall eines möglichen Verkehrsunfalls, zweitens kann er aus dieser Position schwieriger angreifen. Niemand bleibt allein mit einem gewaltbereiten Patienten!

Hände des Patienten beobachten.

 

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Herzlich Willkommen bei VIRSEM,

dem „Violent Incident Reporting System in Emergency Medicine“.

Es ist traurige Realität in ganz Deutschland: immer wieder kommt es zu Angriffen auf Rettungskräfte, immer wieder werden Helfer zu Opfern von Gewalt, die zum Teil sogar vom Patienten selber ausgeht.

Es gibt einige Projekte, die versuchen, Helfer zu schützen, von Selbstverteidigungskursen bis zum Deeskalationstraining. Aber: noch wissen wir viel zu wenig darüber, was überhaupt passiert, wer gefährdet ist und wovor wir uns schützen müssen. Daher haben wir mit „VIRSEM“, dem „Violent Incident Reporting System in Emergency Medicine“ eine Plattform geschaffen, mit der auf einfache und höchst effektive Weise Angriffe erfasst und ausgewertet werden können.

Wir sind eine Projektgruppe an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Universität Greifswald und arbeiten an diesem Thema seit 2009. Wir möchten Sie herzlich bitten, den einfachen Fragebogen zu bearbeiten und nach den statistischen Angaben auch kurz den Vorfall mit eigenen Worten zu beschreibe.

Die Daten werden anonymisierter versandt, Rückschlüsse auf Person, Region oder Hilfsorganisation sind dabei nicht möglich. Wir sind alle auf die Berichte der Einsatzkräfte angewiesen, die solches erleben, um daraus zu lernen und Strategien zu unser aller Schutz zu entwickeln.

Wir hoffen auf eine reiche Beteiligung, die dem Expertenpanel eine gute Grundlage ermöglicht. Eine Auswahl exemplarischer Fälle stellen wir – ggf. mit einem Kommentar – als „Fall des Monats“ jeweils zum Monatsanfang auf die Seite. Für Ihre Fragen steht die Projektgruppe unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. gerne zur Verfügung.

Mit besten Grüßen von der Ostsee,

Ihr Projektteam "VIRSEM"

 

 


 

Hier gehts zum VIRSEM Fragebogen


Welcome to VIRSEM,

the "Violent Incident Reporting System in Emergency Medicine".
This is a unique project of the University of Greifswald (Germany), started in August 2009
by emergency physicians to gather information about aggression and violence in emergency medicine.
Similar to a Critical Incident Reporting Systeme (CIRS), it is a web-based, anonymous questionair.
An expert-panel of psychologists, physicians, special-force policemen, paramedics,
solicitors and judges reviews all the reports and gives recommendations for prevention.


 
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