VIRSEM-Aktuell

Juni 2011

SummerSchool Notfallmedizin an der Universität Greifswald

Vom 9. bis zum 12. Juni 2011 findet mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfallaufnahme (DGINA) eine SummerSchool für engagierte junge Notfallmediziner an der Universität Greifswald statt. Der Themenbereich ist Kommunikation und Deeskalation im Notfall und zahlreiche Experten des VIRSEM-Teams und des Expertenpanels tragen zu dieser Veranstaltung bei.

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Neue Dimension der Gefahr an der Einsatzstelle:

Angriffe auf Retter nehmen zu

Greifswalder Forscher stellen Jahresbilanz vor

„Es ist eine erschreckende Entwicklung“, sagt Martin von der Heyden, Notfallmediziner an der Universität Greifswald und Leiter des Projektes „VIRSEM – Violent Incident Reporting System in Emergency Medicine“. Immer häufiger melden Notärzte und Rettungsassistenten Angriffe und aggressives Verhalten. „Der Respekt schwindet merklich und einzelne Patienten haben keine Hemmschwelle mehr“. Und so wird die Vorstellung der Jahresbilanz des Projektes zu einer eher traurigen Veranstaltung: jedes gemeldete Ereigniss steht für den gesellschaftlichen Wandel, für ein Stück verlorenes Vertrauen und viele der Meldungen für verletzte und traumatisierte Helfer.

Was vordergründig klingt, als hinge er den guten alten Zeiten nach, hat aber ganz handfeste Hintergründe: Wird ein Notarzt im Einsatz angegriffen und verletzte, fällt er aus und steht für weitere Notfälle nicht zur Verfügung, auch beschädigtes medizinisches Material gibt es nicht unbegrenzt als Reserve. Und die pychischen Folgen, bis hin zur Berufsunfähigkeit der Helfer, können immens sein. „Die wirtschaftlichen Folgen von Angriffen auf Helfer im Rettungsdienst und in den Notaufnahmen sind völlig unerforscht – und wahrscheinlich ein hoher Millionenbetrag.“

Die Notfallmediziner der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald haben daher im August 2009 ein Projekt zur Erfassung von Gewalt gestartet. Über eine Plattform im Internet ist innerhalb weniger Minuten eine strukturierte Eingabe des Vorfalls möglich – und Martin von der Heyden und ein Expertenpanel aus Notfallmedizinern, Medizinpsychologen, Juristen und Polizisten aus Sondereinsatzteams werten diese Geschichten aus. Ziel ist es, in einem Schulungskonzept Mitarbeitern aus dem Bereich der Akut- und Notfallmedizin Grundlagen vermittlen zu können, Angriffe durch Deeskalation zu verhindern, falls nötig abzuwehren, um eine Möglichkeit zur Flucht zu finden. Als ehemaliger Kampfsporttrainer weiss Martin von der Heyden, dass die Helfer bei einem Kampf meist den Kürzeren ziehen würden. „Daher ist der Kampf der Beste, den wir verhindern können.“

Nach Abschluss der Pilotphase, in der während vier Monate von Mitarbeitern von einem guten Dutzend teilnehmender Rettungswachen aus Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt ein gewalttätiger Angriff pro Woche gemeldet wurde, geht die Projektgruppe jetzt mit überarbeiteter Homepage in die bundesweite Datenerfassung.

Achtung Redaktionen:

Der Projektleiter Martin von der Heyden, Notfallmediziner an der Universität Greifswald, steht für Anfragen und Interviews rund um das Projekt und Gewalt in der Notfallmedizin zur Verfügung. Anfragen bitte an Dr. Thomas Plappert, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. oder Telefon 0177/8811020

 
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